Tarifchecks - News
München, den 19. Dezember 2007 (tc.)Wie tarifchecks.de bereits berichtete, wird ab 2009 die Abgeltungssteuer für alle Kapitaleinkünfte eingeführt. Das neue Element im deutschen Steuersystem traf auf heftige Kritik lange bevor der Bundestag das Gesetz verabschiedet hat. Finanzexperten machen es aber ausdrücklich deutlich, dass die neue Steuer nicht nur Nachteile bringt.
Entlastet werden zum Beispiel große Kapitalanleger, die allein von ihren Zinseinkünften leben. Künftig müssen sie nur noch 25 Prozent abführen und nicht mehr den persönlichen Einkommenssteuersatz von bis zu 45 Prozent. Auch für die Besitzer einfacher Sparbücher, unabhängig davon, ob sie bei einer Filialbank oder eben bei einer Direktbank sind, wird die Steuerreform viele Vorteile bringen. Experten erwarten nämlich, dass die Gebühren für Girokonten und Sparbücher unter Umständen reduziert werden.
Die Nachteile sollen vor allem die kleinen und mittleren Anleger abkassieren. Wer zum Beispiel bisher einmalig für 10000 Euro Aktien gekauft hat, damit acht Prozent Rendite im Jahr erzielt und alle sechs Jahre umgeschichtet hat, konnte sein Kapital nach 18 Jahren vervierfachen. Ab 2009 bekommt er aber bei der gleichen Investition zum Schluss etwa 10.000 Euro weniger heraus. Selbst Minirendite in Höhe der Inflationsrate werden besteuert. Laut der Zeitschrift Focus (10. Dezember 2007) hat die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Mehrbelastung von bis zu 100 Prozent für die kleinen und mittleren Anleger ausgemacht. „Es steht eine der höchsten prozentualen Steuererhöhungen an, die es je gegeben hat. Ein echter Treppenwitz ist, dass die beschlossenen Änderungen in erster Linie langfristig orientierte Anleger bestrafen“, kommentiert der Vorstand der DSW.
Andere Beobachter befürchten fatale Auswirkungen auf die Aktienkultur in Deutschland, die ohnehin unterentwickelt im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist. So äußert sich zum Beispiel Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), der vor Focus sagte: „Da wollen Politiker die Bahn nur mit sogenannten Volksaktien privatisieren. Zugleich aber machen sie dem Volk Investitionen in Aktien mit einer deutlich höheren Steuerbelastung madig.“ (Focus vom 10. Dezember 2007)
Verbraucher können aber durchaus etwas für ihre Kapitalanlagen tun, wenn sie rechtzeitig handeln. Jeder sollte sofort seine Investitionen, Aktien oder Versicherungen gründlich überprüfen. Zu überlegen ist zum Beispiel, ob zu hohe Summen nicht eventuell in profitschwachen Sparformen wie zum Beispiel Festgeldern oder Tagesgeldern eingelegt sind. Anleger müssen sich vor allem für solche Produkte entscheiden, die sie über Jahre im Depot halten können. Damit erspart man sich nicht nur hohe Bearbeitungskosten, sondern auch das mehrfache Abziehen der Abgeltungssteuer. Wichtig zu wissen ist auch, dass jede Geldanlage in eine Lebensversicherung überführt werden kann. Während ihrer Laufzeit unterliegen Lebensversicherungen der Abgeltungssteuer nicht. Zu den weiteren Vorteilen der Lebensversicherung lesen Sie im nächsten Teil unseres Informationsblocks zur Abgeltungssteuer.
(tc.)

